Die Leiterin des Mehrgenerationenhauses Donauwörth, Michaela Kaag, und die Museumspädagogin Kristina Wnuk, die im Donauwörther Käthe-Kruse-Puppen-Museum und im Heimatmuseum der Stadt tätig ist, haben die Weiterbildung der Fachstelle für Demenz und Pflege Schwaben und des Curatoriums Altern mit dem Titel „Kultur, Teilhabe & Älterwerden“ erfolgreich abgeschlossen. Ziel dieser Weiterbildung ist es, Menschen mit Demenz noch besser in die Angebote der Museen und des Mehrgenerationenhauses einzubinden und bestmöglich auf ihre Bedürfnisse einzugehen.
Das Mehrgenerationenhaus Donauwörth versteht sich als Haus der Begegnung – offen für alle Generationen und Lebenssituationen. Gemeinsam getragen von der Stadt Donauwörth und der evangelischen Kirche ist es weit mehr als ein Veranstaltungsort: Es ist ein lebendiger Treffpunkt, an dem Menschen zusammenkommen, sich gegenseitig unterstützen und Gemeinschaft erleben.
Das vielfältige Angebot reicht von Foodsharing-Schränken, einem Schenkregal für Bücher und den beliebten Schenktagen über Digitallotsen, Kreativangebote und Ferienprogramme bis hin zu zahlreichen Begegnungsformaten für ältere Menschen. Besonders wichtig sind Michaela Kaag Angebote wie der Frühstückstreff für pflegende Angehörige, Gedächtnistraining, Bewegungsangebote und offene Treffpunkte. Viele dieser Angebote sind kostenlos oder ohne Anmeldung nutzbar und schaffen dadurch einen einfachen Zugang für Menschen, die sonst nur schwer den Weg in Gemeinschaft finden.
Ganz im Sinne des Mottos „Eine Hand nimmt die andere“ wird hier Nachbarschaft aktiv gelebt. Menschen unterstützen sich gegenseitig – mit Zeit, Wissen, praktischer Hilfe oder einfach durch ein offenes Gespräch. Dieses Verständnis von Teilhabe deckt sich in besonderer Weise mit den Inhalten der Weiterbildung.
Im Austausch während der Weiterbildung wurde deutlich, wie wichtig Michaela Kaag praxisnahe Impulse für den Umgang mit Menschen mit Demenz sind. Ziel ist es, bestehende Angebote noch stärker demenzsensibel weiterzuentwickeln und Menschen mit Demenz selbstverständlich in das vielfältige Programm des Mehrgenerationenhauses einzubeziehen.
Eine erste Projektidee gibt es bereits: Im Herbst wird auf dem Platz der Begegnung vor dem Mehrgenerationenhaus eine inklusive Kunstaktion mit der Künstlerin Franziska Schißler, bekannt unter dem Künstlernamen „Chalkylove“, stattfinden. Mit Kreide- und Flüssigkreidekunst sollen gemeinsam großformatige Bilder entstehen – niedrigschwellig, generationenübergreifend und so gestaltet, dass auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Demenz aktiv mitwirken können. Der öffentliche Platz wird damit selbst zur Begegnungsfläche und zum sichtbaren Zeichen für Teilhabe.
Auch der Blick in die Donauwörther Museumslandschaft ist faszinierend: Diese soll künftig unter einem Dach zusammengeführt werden. Das Käthe-Kruse-Puppen-Museum, das Heimatmuseum, das Haus der Stadtgeschichte und das Archäologische Museum, das derzeit geschlossen ist, sollen gemeinsam ein neues Museum bilden und die Geschichte der Region einerseits sowie das Leben und Werk Käthe Kruses andererseits auf vielfältige Weise erlebbar machen.
Schon heute zeigen die Museen Donauwörth, wie kulturelle Teilhabe gelingen kann. Im Käthe-Kruse-Puppen-Museum steht beispielsweise ein Museumsführer in leichter Sprache zur Verfügung und ermöglicht Besucherinnen und Besuchern einen möglichst selbstständigen Zugang zu den Ausstellungen.
Noch einen Schritt weiter geht Kristina Wnuk mit ihrem aufsuchenden Vermittlungsangebot „Teekränzchen und Ton“. Hier kommen nicht die Menschen ins Museum – sondern das Museum zu den Menschen. Mehrmals im Jahr besucht sie Senioreneinrichtungen in einem Umkreis von rund 30 Kilometern um Donauwörth und bringt mit einem Museumskoffer ausgewählte Objekte und Geschichten direkt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern. Anschließend wird gemeinsam kreativ gearbeitet – mit Ton oder Origami. Die Themen werden individuell mit den Einrichtungen abgestimmt und schaffen wertvolle Anknüpfungspunkte an persönliche Erinnerungen und Lebenserfahrungen.
Gerade eine besondere Erfahrung motivierte Kristina Wnuk zur Teilnahme an der Weiterbildung „Kultur, Teilhabe & Älterwerden“. Während eines Angebots lösten Museumsobjekte bei einer Teilnehmerin intensive Kriegserinnerungen aus. Diese Situation machte deutlich, wie wichtig ein sensibler und professioneller Umgang mit biografischen Erinnerungen und Menschen mit Demenz ist. Die Weiterbildung bot hierfür wertvolle fachliche Impulse und stärkte ihre Sicherheit im Umgang mit solchen herausfordernden Momenten.
Museen sind heute weit mehr als Orte des Sammelns und Bewahrens. Sie können Erinnerungen wecken, Gespräche anregen, Kreativität fördern und Begegnungen schaffen. Gerade Puppen, Alltagsgegenstände oder archäologische Fundstücke werden zu Türöffnern für Geschichten, Emotionen und gemeinsame Erlebnisse.