Geschichte und Geschichten

Die Stadt Donauwörth hatte als freie Reichsstadt in den frühen Jahrhunderten größere Festungsbauten zu erstellen. Da dies aus eigenen Mitteln unmöglich war, schenkte Kaiser Karl IV der Stadt Donauwörth den Stadtwald, damit aus dessen Bestand und Erlös der Festungsbau weiterbetrieben werden konnte. Der Stadtwald ist also eine kaiserliche Schenkung aus dem Jahre 1348.

Verbrieft ist dies in einem Chur-Pfälzischen Vertrag von 1544. Einen ersten genauen Grenzbeschrieb gab es 1724, eine erste Vermessung mit Erstellung einer Karte erfolgte 1799. Zu Beginn der franz. Revolution entstand ab dem Jahre 1789 zwischen den Bürgern und der Stadt ein Streit über die Aufteilung des Stadtwaldes. Die Bürger wollten den Stadtwald auf sich aufgeteilt wissen. Dieser Streit endete erst im Jahre 1836 in der Weise, dass jeder Besitzer eines Hauses, das bereits 1830 bestanden haben muss, ein Forstrecht zugestanden erhielt. Da diese Forstrechte nicht grundbucheintragungspflichtig waren wurden 1873 sogenannte Forstrechtsbriefe ausgestellt. Es wurden damals insgesamt fast 300 Vollrechte und mehr als 50 Halbrechte gebildet. Derzeit bestehen noch ca. 100 ganze und 10 halbe Rechte. Ein ganzes Recht besteht aus 5 Ster Brennholz.

Die Bereitstellung der Forstrechte führte zu der damals weit verbreiteten "Mittelwaldbewirtschaftung". Dabei wurde die Waldfläche in ca. 30 Großschläge eingeteilt, die nacheinander, bis auf einige schöne Stammholzeichen, komplett genutzt und eingeschlagen wurde. Auf diesen "Schlägen" (deren Namen noch in den heutigen Karten zu finden sind; z.B. Schabernackschlag) wurden dann alle 30 Jahre das zwischenzeitlich per Stockausschlag nachgewachsenen Holz wieder genutzt. Noch heute sind viele der damals verschonten Eichen in den Wäldern zu finden.

Viele Geschichten ranken sich um den Stadtwald. So soll der Legende nach die glückliche Heimkehr der im Wald verirrten "Hilaria vom Schellenberg" zur Schenkung des Stadtwaldes geführt haben. Von weiteren zum Teil tragischen Geschichten zeugen einige Denkmäler, die im Stadtwald zu finden sind (Reissnermarterl und Lebedewmarterl). Dass die Umgebung von Donauwörth bereits in vorchristlicher Zeit besiedelt war bezeugen die vielen Keltengräber im Stadtwald. Auch die Römer hinterließen ihre Spuren, davon zeugen Ortsnamen ("Rohweiler"). Dickschalige Austern aus dem Miozän im Bereich des Lochbaches und die Überdeckung des gesamten Waldgebietes mit den Auswurfmassen des Rieseinschlages verweisen auf die erdgeschichtlichen und geologischen Ereignisse.

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Forst
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Zi. Nr. 005

Forst/Anlagenbuchhaltung
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