Tanzhaus: Sachstand zur Neuausrichtung in der öffentlichen Stadtratssitzung vom 11. April

(12.4.2019) Der erste Tagesordnungspunkt in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates am 11. April war die Zukunft des Tanzhauses. Es gab Informationen zum aktuellen Stand der Nutzung des Stadtsaales in der Übergangszeit, zu der seitens des Stadtrates im Februar beauftragten Grobkostenschätzung einer Bestandssanierung und zu den Ergebnissen des Stadtratsworkshops zum Tanzhaus.
1.    Sachstand:

Vorübergehende Nutzung des StadtsaalesIm vergangenen Jahr hatte sich gezeigt, dass das Tanzhaus abweichend von den genehmigten Bauantragsunterlagen errichtet wurde. Aktuell können nur sechs Veranstaltungen im Stadtsaal über eine Ausnahmeregelung der Versammlungsstättenverordnung genehmigt werden. Damit bis zur Neuausrichtung dauerhaft weitere Veranstaltungen stattfinden können, ist ein Bauantrag für die brandschutztechnische Ertüchtigung im Bestand für Tiefgarage und Stadtsaal im Tanzhaus einzureichen. Hierzu wurde bereits ein Brandschutzkonzept erstellt, welches nun noch durch einen Prüfsachverständigen für Brandschutz geprüft und freigegeben werden muss. Grundlage für das Brandschutzkonzept ist eine Nutzung des Stadtsaals für ca. 400 Personen Das Brandschutzkonzept soll dem Bauamt noch im April 2019 vorliegen.
Der nächste Schritt ist die also die Prüfung des Brandschutzkonzepts durch einen externen Prüfer. Wenn dieser Schritt abgeschlossen ist, bedarf es eines Beschlusses des Stadtrats, ob die notwendigen Baumaßnahmen zur Brandschutzertüchtigung ergriffen werden sollen. Es sind dies beispielsweise der Einbau von Brandschutztüren und von Entrauchungsfenstern in den beiden Treppenhäusern. Die geschätzten Grobkosten für alle notwendigen Baumaßnahmen zur Brandschutzertüchtigung für die Übergangsnutzung des Saals sind ca. 180.000 €.
Sollte sich der Stadtrat für diese Maßnahmen entscheiden, so könnte der Bauantrag eingereicht und gleichzeitig die Bauteile/Baustoffe bei den Lieferanten und Baufirmen angefragt werden.Die derzeitige Begrenzung der Veranstaltungszahl auf maximal sechs Veranstaltungen jährlich würde mit diesem Vorgehen entfallen.
Davon unabhängig zu sehen ist die Notwendigkeit einer grundlegenden Sanierung und Neuausrichtung des Tanzhauses.

2.    Stand der Gebäudeuntersuchung einschließlich Grobkostenschätzung
Gemäß Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses vom 19. Februar 2019 wurden zwei Ingenieurbüros mit der statischen und energetischen Betrachtung und Prüfung der Gebäudehülle beauftragt.

Untersuchungsauftrag:
•    Erstellung eines Gutachtens über den statischen Zustand des Tanzhauses insgesamt
•    Aufnahme von Schadensbildern und Festlegung der Prüf- und Freilegungsstellen vor Ort
•    Auswerten der Tragwerksuntersuchungen
•    Beurteilung der Fassadenflächen und Dachbereiche
•    Kostenschätzung für Sanierung von schadhaften tragenden Bauteilen
•    Berichterstattung über den gesamten Tragwerkszustand einschließlich der Tiefgaragen-Geschosse mit Einbezug von Kosten und Brandschutz
•    Energetische Betrachtung der Gebäudehülle
•    Berechnung der bestehenden U-Werte (= Maß für Wärmedurchgang) für die einzelnen Bauteile und Gegenüberstellung mit der ENEV
•    Sanierungsvorschläge und Kostenermittlung

3.    Fördermöglichkeiten im Rahmen der Bund-Länder-Städtebauförderung
Am 4. April 2019 fand ein Gespräch bei Herrn Regierungsvizepräsidenten Josef Gediga mit Herrn MdL Wolfgang Fackler und Herrn Oberbürgermeister Armin Neudert zu den Möglichkeiten der Städtebauförderung für eine Sanierung des Tanzhauses bei der Regierung von Schwaben statt.
Nach Einschätzung der Regierung von Schwaben wäre eine Sanierung des Tanzhauses in der Bund-Länder-Städtebauförderung grundsätzlich förderfähig, da das Tanzhaus ortsbildprägend in der Reichsstraße und als Zeichen für den Wiederaufbau in Donauwörth auch stadtgeschichtlich bedeutend ist. Dazu ist ein tragfähiges, nachhaltiges Nutzungskonzept notwendig, das einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt sowie zur Umsetzung städtebaulicher Sanierungsziele leistet (z.B. Räume für bürgerschaftliches Engagement, kulturelle Aktivitäten usw.). Um den wirtschaftlichen Einsatz öffentlicher Fördermittel zu rechtfertigen, sollten im Rahmen einer sog. planerischen Machbarkeitsstudie die beabsichtigten Nutzungsvarianten planerisch und im Hinblick auf die Kosten (Gebäudesanierung und Betrieb) geprüft werden. Je umfangreicher die „unrentierlichen“ Nutzungen (Gemeinbedarf) im Vergleich zu gewerblichen Nutzung oder Vermietungen sind, desto höher könnte eine Förderung ausfallen.
Ein Neubau und die Abbruchkosten sowie die entsprechenden Planungskosten sind im Rahmen der Bund-Länder-Städtebauförderung nicht förderfähig. Inwieweit andere Förderprogramme gegebenenfalls bei einem Neubau zum Tragen kommen könnten, steht noch nicht fest.

4.    Stadtratsworkshop zur Zukunft des Tanzhauses:

Vorstellung der erarbeiteten alternativen NutzungsmöglichkeitenIntensive Diskussionen und engagierter Einsatz für die Sache prägten am Samstag, dem 6. April 2019, den Workshop des Stadtrates zur Zukunft und Neuausrichtung des Tanzhauses. Auf Einladung von Oberbürgermeister Neudert und unter externer Moderation des Fachbüros empirica setzten sich nahezu alle Mitglieder des Stadtrates mit diesem bedeutsamen Thema außerhalb der üblichen Sitzungsroutine intensiv auseinander. Bereits im Vorfeld der Klausurtagung hatten die einzelnen Fraktionen, Gruppen und Stadträte ihre Vorstellungen und Standpunkte zu möglichen Nutzungen formuliert und - soweit möglich - ihre Präferenz bei der Frage Sanierung im Bestand oder Abriss und Neubau geäußert.
Beschäftigte der Stadtverwaltung äußerten sich mit kurzen Input-Vorträgen zu verschiedenen städtischen und touristischen Nutzungsmöglichkeiten.
Auf dieser Basis wurden mehrere Varianten ausgearbeitet, die in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates am 11. April 2019 im Detail durch das Büro empirica vorgestellt wurden. Die Präsentation Büro empirica des mit der Übersicht über die beiden Hauptvarianten mit jeweils zwei Untervarianten ist hier nachzulesen.

5.    Nächste Schritte:Die Ergebnisse des Workshops und das weitere Vorgehen gilt es nun, in Beschlüsse zu fassen. Konkret ist vom Gremium beispielsweise festzulegen, ob diese Nutzungsvarianten weiterverfolgt werden sollen, ebenso wie die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie, die abzuklären soll, was die Umsetzung der jeweiligen Varianten einerseits bei einer Bestandssanierung, andererseits im Rahmen eines Neubaus – auch unter Einbeziehung von Fördermöglichkeiten – kosten würde.

Zur Fassung dieser Beschlüsse hat Oberbürgermeister Armin Neudert eine öffentliche Sondersitzung des Stadtrates am Dienstag, dem 7. Mai 2019, festgelegt.