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Internationaler Museumstag

21. Mai 2017 von 11:00 bis 18:00 Uhr - Käthe-Kruse-Puppen-Museum
"Spurensuche":
Zwei Käthe Kruse Puppen mit Geschichte

Puppe I, rote Kleidung, 1925
Puppe I, blaue Kleidung, 1928

Im Jahr 2015 bekam das Käthe-Kruse-Puppen-Museum zwei Puppen als Dauerleihgabe, deren Geschichte beispielhaft für viele Schicksale in der Zeit des Nationalsozialismus steht. Die Puppen gehörten zwei Schwestern, Gerda (geb. 1921) und Gisela (geb. 1925). Während Gerda studierte wurde die jüngere Schwester Gisela Ende 1940 zwangsweise nach Hephata, einer evangelischen Behinderteneinrichtung, gebracht. Tragischerweise hatte die jüngste Schwester Helga (geb. 1933) eine „Anzeige“ beim Gauleiter gemacht, da sie und die Mutter sich für die Sprachbehinderung der Schwester schämten. Für den Vater und die ältere Schwester Gerda war es ein lebenslanges Trauma. Durch den Einfluss eines befreundeten Pfarrers konnte verhindert werden, dass Gisela direkt in die NS-Tötungsanstalt Hadamar verbracht wurde, wo in den Jahren 1940 bis 1945 Menschen mit Behinderung systematisch ermordet wurden. Nach kirchlichen Protesten wurden die Ermordungen ab 1942 dezentral weitergeführt. Von 1940 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fielen der NS Tötungsmaschinerie mehr als 70.000 Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung zum Opfer. Auch von Hephata wurden Menschen in staatliche Einrichtungen und nach Hadamar verlegt. Gisela überlebte das NS-Regime, musste aber auch nach dem Krieg in der Einrichtung bleiben. Am 11. Februar 1949, im Alter von nur 24 Jahren verstarb sie dort an einem „Prozeß im linken Oberfeld der Lunge“. Ihre Käthe Kruse Puppe, die sie mit nach Hephata nehmen durfte, hat die ältere Schwester Gerda bis zu ihrem Tod 2002 gehütet. Deren Tochter hat die Puppen und deren Geschichte 2015 dem Museum zur Verfügung gestellt. Nachforschungen der Tochter in Hephata über die genauen Aufenthalte und Umstände haben „den Nebel nur verdichtet, statt geklärt".

Am Internationalen Museumstag, der unter dem Motto „Spurensuche – Mut zur Verantwortung“ steht, werden die Puppen im Kontext ihrer Geschichte vorgestellt.

15:00 Uhr: öffentliche Führung

Eintritt frei

Veranstaltungsort:
Käthe-Kruse-Puppen-Museum
Pflegstr. 21 a
86609 Donauwörth

Ansprechpartner: Kirsten Göbner
Telefonnnummer: 0906/789-170

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